Zumeldung des BLV zum Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung BW

Veröffentlicht am 6. Mai 2026

Koalitionsvertrag setzt wichtige Signale – Berufliche Schulen müssen nun konsequent mitgedacht werden

BLV Baden-Württemberg sieht positive Ansätze bei Entlastung, Digitalisierung, AVdual und Unterstützungssystemen – fordert aber mehr Sichtbarkeit und Verbindlichkeit für Berufliche Schulen

Der Berufsschullehrerverband Baden-Württemberg (BLV) bewertet den neuen Koalitionsvertrag von Grünen und CDU „Aus Verantwortung fürs Land: Gemeinsam stark in stürmischen Zeiten“ als ein wichtiges politisches Signal mit erkennbaren Schnittmengen zu den neun zentralen Forderungen des Verbands.

Positiv sieht der BLV-Vorsitzende Dr. Christoph Franz insbesondere die angekündigten Schritte zum Bürokratieabbau, den geplanten Ausbau multiprofessioneller Teams, die Aussagen zur digitalen Modernisierung sowie die angedachte Stärkung des AVduals mit besseren Übergängen in die Ausbildung. „Zugleich hätte ich mir gewünscht, dass die besondere strategische Bedeutung der Beruflichen Schulen im Koalitionsvertrag klarer sichtbar und verbindlicher verankert wird!“, so Franz.

Aus Sicht des Berufsschullehrerverbandes ist es ein richtiges Signal, dass die neue Koalition die hohe Belastung von Verwaltung, Schulen und Schulleitungen ernst nimmt und konkrete Schritte zur Entlastung ankündigt. Gerade der geplante Abbau von Berichts-, Dokumentations- und Aufbewahrungspflichten entspricht einer zentralen bisherigen Forderung gegen die Konzeptionitis. Auch der vorgesehene Ausbau multiprofessioneller Teams ist ein wichtiger Beitrag, um Schulen in einer Zeit wachsender sozialer, sprachlicher und psychischer Herausforderungen zum Wohle der Schülerinnen und Schüler handlungsfähiger zu machen.

Positiv bewertet der BLV, dass der Koalitionsvertrag Programme wie „Ausbildungsvorbereitung dual“ (AVdual) flächendeckend ausbauen, die Berufsorientierung stärken und bessere Übergänge in die Ausbildung schaffen will. Damit greift die Koalition einen Kernpunkt des BLV-Neun-Punkte-Programms auf. Der Verband hatte gefordert, Berufsvorbereitung verlässlich zu finanzieren und AVdual dauerhaft flächendeckend planbar abzusichern. Dass dieses erfolgreiche Instrument nun ausdrücklich im Koalitionsvertrag verankert wird, ist ein wichtiges und ermutigendes Signal.

Die Aussagen zur digitalen Transformation und zur Weiterentwicklung innovativer Formate an Schulen bewerten wir ebenso positiv, so die stellv. BLV-Vorsitzende Michaela Keinath: „Berufliche Schulen sind hier seit langem wichtige Impulsgeber, weil sie junge Menschen direkt für eine sich wandelnde Arbeitswelt qualifizieren. Dass Digitalisierung, KI und moderne Lernumgebungen als Zukunftsaufgabe benannt werden, ist daher ein richtiger Schritt.“

Gleichzeitig sieht der Verband an mehreren Stellen Nachsteuerungsbedarf. Der BLV hatte gefordert, die Beruflichen Schulen im Koalitionsvertrag als eigenständigen strategischen Bereich sichtbar zu machen: Für Fachkräftesicherung, Integration, berufliche Orientierung, Innovation, Übergänge und Weiterbildung. Eine solche Schwerpunktsetzung ist nicht in der nötigen Klarheit erkennbar. „Die Beruflichen Schulen sind im vorgestellten Koalitionsvertrag sichtbar, aber nicht mit dem Gewicht, das ihrer tatsächlichen Bedeutung für Baden-Württemberg entspricht!“, zeigt sich der stellv. Vorsitzende Benjamin Starke, verwundert. Besonders kritisch sieht er, dass wichtige Forderungen nur teilweise oder gar nicht aufgegriffen wurden. Dazu zählen unter anderem die stärkere Verankerung Beruflicher Orientierung an den Beruflichen Schulen selbst sowie eine deutlichere Zusage zur Sicherung Beruflicher Schulstandorte in der Fläche. Gerade im ländlichen Raum sind Berufliche Schulen nicht nur Bildungsorte, sondern ein entscheidender Faktor für Ausbildungswege, Fachkräftesicherung und regionale Stabilität.

Auch die vom BLV geforderte Enquete-Kommission Bildung findet sich im Koalitionsvertrag nicht wieder. Aus Sicht des Verbandes wäre sie ein wichtiges Instrument gewesen, um Bildungspolitik nach Jahren großer Reformdebatten wissenschaftlich fundierter, breiter abgestützt und mit stärkerer Beteiligung der schulischen Praxis weiterzuentwickeln.

Der BLV verbindet seine Einschätzung deshalb mit einem konstruktiven Angebot an die neue Koalition: „Der Verband wird die Umsetzung des Koalitionsvertrags aufmerksam begleiten und steht für den fachlichen Austausch über die konkrete Ausgestaltung bildungspolitischer Maßnahmen ausdrücklich zur Verfügung. Aus unserer Sicht kommt es jetzt darauf an, die positiven Ansätze des Vertrags gezielt dort zu konkretisieren, wo Berufliche Schulen eine Schlüsselrolle für die Zukunft des Landes spielen“, so der BLV-Vorsitzende Dr. Christoph Franz abschließend.

Die Botschaft des BLV bleibt klar:

Wer Stabilität, Fachkräftesicherung, Innovation und Integration sichern will, muss die Beruflichen Schulen stärken, auch in Zeiten knapper werdender Haushaltsmittel.
Nicht später. Sondern jetzt.

Hier finden Sie unsere Zumeldung als PDF zum Download.

Veröffentlicht am 6. Mai 2026

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