Pressemitteilung: Der BLV gratuliert Andreas Jung – und legt zum Amtsantritt das 1 x 1 der Beruflichen Bildung vor

Veröffentlicht am 13. Mai 2026

Berufliche Schulen und duale Ausbildung sind das Rückgrat der Fachkräftegewinnung in Baden-Württemberg

Der Berufsschullehrerverband Baden-Württemberg (BLV) gratuliert Andreas Jung zur Übernahme des Amtes als Kultusminister von Baden-Württemberg. Zugleich verbindet der Verband seine Glückwünsche mit einer klaren Erwartung: Wer Bildungspolitik in Baden-Württemberg verantwortet, muss das System der Beruflichen Bildung nicht nur kennen, sondern zu einer politischen Priorität machen. Denn die Beruflichen Schulen sind gemeinsam mit der dualen Ausbildung das Rückgrat der Fachkräftegewinnung für Baden-Württemberg. Rund 70 Prozent eines Altersjahrgangs besuchen im Lauf ihrer Bildungsbiografie eine Berufliche Schule. Keine Berufliche Schule besuchen im Grunde nur diejenigen, die das allgemeinbildende Gymnasium durchlaufen, direkt ein Studium aufnehmen und dieses auch erfolgreich abschließen. Das zeigt: Berufliche Schulen sind kein Nebensystem, sondern ein zentraler Bestandteil des baden-württembergischen Bildungswesens. Der BLV hat wiederholt darauf hingewiesen, dass wirtschaftliche Stärke, gesellschaftlicher Zusammenhalt, Integration und Aufstieg ganz konkret in den Werkstätten, Laboren und Klassenzimmern der Beruflichen Schulen entschieden werden.

Für einen Kultusminister in Baden-Württemberg heißt das: Wer die Beruflichen Schulen versteht, versteht einen zentralen Teil der Zukunft dieses Landes. Denn hier entscheidet sich nicht nur Bildungserfolg, sondern auch, ob Fachkräfte gewonnen, Übergänge stabilisiert, Integration ermöglicht und Aufstiegschancen offengehalten werden. Berufliche Schulen sind deshalb kein nachgelagerter Bereich der Bildungspolitik, sondern ein strategischer Kernbereich für die Zukunft Baden-Württembergs.

Der Berufsbildungsbericht 2026 zeigt, warum das so dringend ist: In Deutschland hatten 2024 18,8 Prozent der 20- bis 34-Jährigen keinen Berufsabschluss. Das entspricht rund 2,76 Millionen jungen Erwachsenen¹. Gleichzeitig unterstreicht der Bericht, dass die duale Ausbildung der zentrale Hebel zur Fachkräftesicherung ist und dass Arbeitgeber überwiegend qualifizierte Fachkräfte suchen. Wer in dieser Lage die Berufliche Bildung nicht stärkt, riskiert nicht nur Fachkräfteengpässe, sondern auch verpasste Chancen für eine ganze Generation.

„Wer über Fachkräftesicherung redet, darf über Berufliche Schulen und duale Ausbildung nicht schweigen. Wenn fast jeder fünfte junge Erwachsene ohne Berufsabschluss bleibt, dann ist das nicht nur ein Bildungsproblem, sondern ein Alarmsignal für unser Land. Der neue Kultusminister muss die Berufliche Bildung deshalb vom Rand ins Zentrum rücken“, so der BLV-Vorsitzende Christoph Franz.

Gleichzeitig macht der Berufsbildungsbericht deutlich, wie groß die Leistung des Systems bereits heute ist: Die duale Ausbildung trägt laut Bericht „entscheidend zur Fachkräftesicherung“ bei, neun von zehn Betrieben sehen sie als unverzichtbar für die eigene Nachwuchssicherung an, und die Übernahmequote nach erfolgreichem Abschluss lag 2024 bei 79 Prozent. Das zeigt: Berufliche Bildung ist nicht die zweite Wahl, sondern ein Erfolgsmodell für Wirtschaft, Gesellschaft und junge Menschen. 

Für den BLV gilt deshalb ein einfaches 1 x 1 der Beruflichen Bildung in Baden-Württemberg:

Erstens: die duale Ausbildung in der Berufsschule.

Sie ist das Herzstück der Fachkräftegewinnung. Hier werden junge Menschen parallel im Betrieb und in der Schule qualifiziert. Die Betriebe sichern Praxis, die Beruflichen Schulen sichern Fachtheorie, Allgemeinbildung, Prüfungsvorbereitung und Anschlussfähigkeit. Genau dieses Zusammenspiel macht die duale Ausbildung so stark – und genau deshalb ist sie das Rückgrat der Fachkräftesicherung für Baden-Württemberg. Der Berufsbildungsbericht 2026 nennt die duale Ausbildung ausdrücklich den zentralen Hebel zur Gewinnung des Fachkräftenachwuchses.

Zweitens: der Übergangsbereich – von AVdual bis zur Berufsfachschule.

Hier zeigen die Beruflichen Schulen in besonderer Weise ihre soziale und wirtschaftliche Bedeutung. Sie fangen junge Menschen auf, die nach der allgemeinbildenden Schule noch Orientierung brauchen, stabilisieren Bildungsbiografien und eröffnen konkrete Wege in Ausbildung und Beruf. Programme wie AVdual helfen dabei, Jugendliche frühzeitig an Ausbildung heranzuführen, Betriebe einzubinden und Übergänge verbindlicher zu gestalten. Die Berufsfachschule baut darauf auf: Sie schafft Grundlagen, vermittelt berufliche Orientierung und ermöglicht – je nach Bildungsgang – erste qualifizierende Abschlüsse oder den Weg in Ausbildung und Weiterlernen. Gerade in diesem Bereich zeigt sich, dass Berufliche Schulen aus Unsicherheit Perspektive machen und junge Menschen in verlässliche Strukturen, in Bildung und im besten Fall in Ausbildung führen.

Drittens: das Berufskolleg.

Es steht für die besondere Stärke Beruflicher Bildung, Qualifizierung und Anschlussfähigkeit miteinander zu verbinden. Berufskollegs eröffnen jungen Menschen zusätzliche schulische Abschlüsse, vertiefte berufliche Kompetenzen und neue Wege in Beruf, Weiterbildung und weiterführende Bildung. Sie sind damit weit mehr als ein Zwischenschritt: Sie sind für viele Jugendliche ein entscheidender Bildungsweg, um Profil zu gewinnen, Chancen zu erweitern und den nächsten Schritt nach oben zu gehen.

Viertens: das Berufliche Gymnasium.

Es steht wie kaum ein anderer Bildungsgang für die besondere Stärke des baden-württembergischen Systems der Beruflichen Bildung: den Weg zur allgemeinen Hochschulreife – verbunden mit einem klaren beruflichen Profil. Das Berufliche Gymnasium eröffnet leistungsstarken jungen Menschen den Weg zum Abitur, ohne sie von der Lebens- und Arbeitswelt zu entkoppeln. Es verbindet hohe fachliche Ansprüche mit Praxisnähe, Orientierung und Profil. Gerade für Jugendliche, die viel können, viel wollen und zugleich einen Bildungsgang suchen, der ihnen mehr gibt als reine Allgemeinbildung, ist das Berufliche Gymnasium ein herausragender Weg. Es ist damit nicht nur eine Alternative, sondern für viele ein besonders kluger und zukunftsweisender Bildungsweg.

Fünftens: die Fachschule – Aufstieg durch Berufliche Bildung.

Sie steht wie kaum ein anderer Bildungsgang für die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung. Fachschulen eröffnen qualifizierten Fachkräften den Weg zur Weiterentwicklung, zur Übernahme von Verantwortung und zu Führungsaufgaben – etwa als Technikerin, Betriebswirt oder Meisterin. Sie machen deutlich: Berufliche Bildung endet nicht mit dem Ausbildungsabschluss, sondern bietet echte Karrierewege bis in anspruchsvolle Fach- und Leitungsfunktionen. Damit zeigt sich auch: Berufliche Schulen sind nicht nur Einstiegsorte, sondern begleiten Bildungs- und Karrierewege weit über die Erstausbildung hinaus.

Berufliche Schulen sind damit weit mehr als ein einzelner Schulzweig. Der BLV beschreibt sie als System mit mehreren tragenden Funktionen: Berufsausbildung, Berufsvorbereitung, Schulabschlüsse und Weiterbildung. Gerade diese Breite macht sie für Baden-Württemberg so wertvoll. Sie sind Integrationsorte, Aufstiegsorte, Bildungsorte und wirtschaftliche Stabilitätsanker zugleich.

Hinzu kommt: Berufliche Orientierung wird an Beruflichen Schulen nicht nur erklärt, sondern erlebbar. Werkstätten, Labore, Fachräume und berufsbezogene Lernumgebungen machen Berufe konkret sichtbar. Lehrkräfte an Beruflichen Schulen bringen Fachexpertise aus ihren beruflichen Fachrichtungen ein. Der BLV hat deshalb bereits gefordert, berufliche Orientierung viel stärker an den Beruflichen Schulen selbst zu verankern – gerade auch für Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I.

„Berufliche Bildung muss im Kultusministerium denselben politischen Stellenwert bekommen, den sie für unser Land längst hat. Die Beruflichen Schulen sind kein Nebensystem. Sie sind Zukunftsinfrastruktur – für Fachkräfte, für Integration, für sozialen Aufstieg und für wirtschaftliche Stärke. Unser Glückwunsch an den neuen Kultusminister ist deshalb zugleich ein Arbeitsauftrag: Dieses System muss verstanden, geschützt und gestärkt werden,“ betont Christoph Franz.

Der BLV verbindet seine Gratulation an Andreas Jung deshalb mit einer klaren Einladung zum Dialog und mit einer ebenso klaren Erwartung: Wer Baden-Württemberg zukunftsfähig halten will, muss die Berufliche Bildung konsequent stärken. Gerade weil die Herausforderungen an den Beruflichen Schulen wachsen: durch eine veränderte Schülerschaft, hohe Belastungen für Lehrkräfte und Schulleitungen sowie den tiefgreifenden Wandel durch KI und Digitalisierung, braucht die Berufliche Bildung jetzt politische Priorität und verlässliche Unterstützung.

Quelle:
¹ Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2026): Berufsbildungsbericht 2026, S. 29

Hier finden Sie unsere PM als PDF zum Download.

Veröffentlicht am 13. Mai 2026

Zum Seitenanfang