PM zu den neuen Erkenntnissen der Arbeitsgruppe des Kultusministeriums zur Aufklärung des Skandals um die unbesetzten Lehrerstellen in Baden-Württemberg
Quelle: © Katerina Holmes via Canva.com
Veröffentlicht am 15. Dezember 2025
Aufarbeitung mutig – Ergebnis für Schüler/-innen, Lehrkräfte und Schulleitungen richtig mies
BLV-Vorsitzender maßlos enttäuscht – Anteil von 500 Lehrerstellen steht den beruflichen Schulen zu
Aufruf zum Protest: weiße Blätter als Zeichen für fehlende „Geisterstellen“ und Nichtberücksichtigung der Bedarfe beruflicher Schulen
„Wie vom BLV vorhergesagt ist nun klar, dass der Anteil an den ‚Geisterstellen‘ in beruflichen Schulen mit rund 30 % mit am höchsten ist. Sehr schmerzhaft sind da die wenigen 130 Stellen, davon 100 nur ausgeliehen, die wir im Sommer von insgesamt 1.440 zusätzlichen Lehrerstellen bekommen haben. Für unsere Schülerinnen und Schüler tut es mir unendlich leid und für sehr viele Lehrkräfte und Schulleitungen fühlt es sich richtig mies an. Ich bin maßlos enttäuscht und fordere dringend diesen Fehler anzuerkennen, umgehend zu korrigieren und die verlorenen Stellen den Schülern, Lehrkräften und Schulleitungen zurückzugeben. Mit der Ermittlung der Ursachen für die ‚Geisterstellen‘ zeigt Frau Schopper, dass sie nichts unter den Teppich kehren möchte. Hier hat sie Wort gehalten. Das ändert jedoch nichts daran, dass wir bereits im Juli zu Recht einen Anteil in Höhe von 500 Lehrerstellen an den zusätzlichen Stellen gefordert haben und diese Forderung ignoriert wurde“, äußerst sich der BLV-Vorsitzende Thomas Speck empört.
Über 50.000 Überstunden, so viel wie in keiner anderen Schulart, dazu keine Erhöhung der Unterrichtszeiten im beruflichen Gymnasium, in der Flüchtlingsbeschulung und keine zusätzliche Sprachförderung in der dualen Ausbildung, während gleichzeitig allgemeinbildende Schulen Ihre Stundentafeln ausweiten konnten. Zusätzlich zu dieser schwierigen Lage erwarten wir zum Schuljahr 2026/2027 an unseren beruflichen Schularten einen Schülerjahrgang mit den schlechtesten IQB-Ergebnissen, die es je gab. Bisher scheint es im Kultusministerium keinerlei vorbereitende Planungen für zusätzliche dringend benötigte Förderangebote für diese Schülerinnen und Schüler zu geben.
In Anbetracht der Nichtberücksichtigung unserer Bedarfe und Herausforderungen scheinen berufliche Schulen für die Politik wie ein unbeschriebenes Blatt Papier, fast wie geisterhaft, nicht sichtbar zu sein. „ Daher bitte ich alle Lehrkräfte und Schulleitungen zum Ausdruck unseres Protestes von heute an bis diesen Freitag ein weißes Blatt Papier an ein Fenster in Lehrerzimmern und Büros zu hängen und am Donnerstag mit weißen Oberteilen zu unterrichten. Gemeinsam zeigen wir mit diesem stillen Protest, dass wir nicht nur mehr als enttäuscht sind, sondern auch dass unsere Schülerinnen und Schüler mehr Unterstützung verdient haben. Über Jahrzehnte wurden unsere Warnungen zur mangelnden Unterrichtsversorgung ignoriert, jetzt drohen unsere Schüler ein weiteres Mal im Stich gelassen zu werden, indem die beruflichen Schulen bei der Verteilung der ‚Geisterstellen‘ so gut wie keine Rolle spielen. Wir sind keine Geister, sondern wir sind da und brauchen dringend mehr Unterstützung“, fordert Thomas Speck abschließend.
BLV-Forderungen:
- Angleichung der Oberstufenformel zur Stärkung der beruflichen Gymnasien
Seit Jahren stehen den beruflichen Gymnasien weniger Ressourcen als den allgemeinbildenden Gymnasien zur Verfügung. Dies ist eine offensichtliche Ungleichbehandlung von Schülerinnen und Schüler und muss dringend geändert werden. (Bedarf: 80 Deputate) - Zusätzliches Einstiegsjahr an beruflichen Gymnasien um die Befunde von ToscaNEO auszugleichen
Entwicklung und Ausgestaltung von neunen Förderkonzepten um Schülerinnen und Schüler fit für die beruflichen Gymnasien zu machen z.B. zusätzliches Einstiegsjahr. (Bedarf: 300 Deputate) - Mehr Förderstunden in den Klassen des VABO
Ausweitung der Stundetafel des AVdual auch auf das VABO. (Bedarf: 40 Deputate) - Reduzierung der Abbrecher- und Durchfallquoten in der Berufsschule und Verbesserung der beruflichen Aufstiegschancen
Zusätzlicher Sprach- und Förderunterricht, Einführung von aktuellen Zusatzqualifikationen in Absprache mit den Sozialpartnern. (Bedarf: 80 Deputate)
Hier finden Sie unsere Pressemitteilung als Pdf zum Download.
Veröffentlicht am 15. Dezember 2025