„Innovation.Integration.Qualität“ – Forum Berufliche Schulen rückt die Berufliche Bildung zwei Tage vor der Landtagwahl in den Fokus
Veröffentlicht am 23. März 2026
„Innovation.Integration.Qualität“ – dafür stehen die beruflichen Schulen in Baden-Württemberg. Unter diesem Leitthema fand dieses Jahr im Anschluss an die Delegiertenversammlung des Berufsschullehrerverbandes (BLV) Baden-Württemberg am Nachmittag des 6. März das „Forum Berufliche Schulen“ statt. Fast 400 Delegierte und Gäste waren im Öffentlichkeitsteil am Nachmittag – zwei Tage vor der Landtagswahl – in das Forum am Schlosspark nach Ludwigburg gekommen.
Den Auftakt machte Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) mit ihrer Rede zur Beruflichen Bildung in Baden-Württemberg. Sie sprach deutlich die Herausforderungen hinsichtlich der Integration und sprachlichen Förderung von Kindern und Jugendlichen an. Gerade in den Beruflichen Schulen mit ihrer großen Heterogenität seien hierfür künftig mehr Ressourcen nötig. Die Qualität der Beruflichen Bildung zeigte Frau Schopper anhand der Lernfabriken 4.0, die ein Aushängeschild der Bildungslandschaft im ganzen Land seien, auf. Im Anschluss sprach der neugewählte BLV-Vorsitzende Dr. Christoph Franz zu den Anwesenden. Er wandte sich in seiner Auftaktrede direkt an die Ministerin sowie die Vertreter der Bildungspolitik und forderte eine größere Aufmerksamkeit für die Beruflichen Schulen: „Schließlich besuchen uns 70 % eines Jahrgangs in ihrem Schulleben“, betonte er und hob damit die Rolle der Beruflichen Schulen hervor, die in der Bildungspolitik und der öffentlichen Wahrnehmung immer noch unterschätzt werden würden. Von einem Ort der Bildungsgerechtigkeit sprach der BLV-Vorsitzende ebenso wie von einem Ort des Neustarts, den viele Beruflichen Schulen für die Jugendlichen im Land seien. An die Forderungen zu Beginn anknüpfend mahnte er: „Vielfalt braucht Ressourcen; denn wer heute spart, zahlt morgen drauf.“ Dr. Christoph Franz machte dies auch an konkreten Beispielen deutlich. So seien Tablets, Software und Admin-Stunden kein Luxus, sondern Grundvoraussetzung für die Arbeitsfähigkeit in den Schulen. Zuletzt stellte er an die Bildungspolitiker im Saal eine zentrale Frage: „Wer trägt das System? Selbstverständlich die Lehrkräfte, die tagtäglich mit den Schülerinnen und Schülern arbeiten!“ Gerade deswegen müsse die Attraktivität des Lehrberufs gesteigert, Entwicklungsmöglichkeiten geboten und die Arbeitsbelastung verringert werden. Vor der Podiumsdiskussion richtete Kai Rosenberger, BBW-Vorsitzender, sein Wort an die Gäste. Er forderte ein Festhalten am Berufsbeamtentum – gerade auch für Lehrer, welche hoheitliche Aufgaben erfüllten. Dabei nahm er Bezug auf das immer lauter werdende „Beamten-Bashing“ und auch beim Thema Besoldung nahm der BBW-Chef kein Blatt vor den Mund und wurde deutlich: „Die Beamtenbesoldung in Baden-Württemberg ist nicht verfassungskonform. Das hat das Bundesverfassungsgericht mehrfach bestätigt! Die Landesregierung trickst bei der Berechnung des Abstandsgebots!“ Untermalt wurde der Nachmittag durch das Bläserquartett der Instrumenten- und Orgelbauer an der Oscar-Walcker-Schule Ludwigsburg, die das Programm immer wieder gekonnt auflockerten.
Als Finale des Forums Berufliche Schulen schloss sich eine Podiumsdiskussion zur Bildungspolitik zwei Tage vor der Landtagswahl an. Dieser stellten sich neben dem neuen BLV-Vorsitzenden Dr. Christoph Franz die Vertreter der verschiedenen Parteien: Für die Grünen die örtliche Abgeordnete: Silke Gericke, der Bildungspolitische Sprecher der CDU: Andreas Sturm, SPD-Spitzenkandidat: Andreas Stoch und FDP-Parteivorsitzender: Dr. Hans-Ulrich Rülke. Die Moderation der ein-stündigen Gesprächsrunde lag in den Händen von Sophia Guter (HPR-Vorsitzende) und Benjamin Starke (neu-gewählter stellv. BLV-Vorsitzender). Nach dem eine Vision der gelingenden Beruflichen Bildung 2031 durch Starke entworfen worden war zeichnete sich in den Antworten der Abgeordneten diese eher als Utopie ab. Es wurden die Themen Demokratieabbau, digitale Hausmeister, Arbeitszeiterfassung, Attraktivität des Lehrerberufs, Entwicklungs- und Beförderungsmöglichkeiten insbesondere auch für Technische Lehrer, Oberstufenformel, Klassenteiler und IT-Ausstattung meist sehr ähnlich bedacht. Die Bildungspolitik spielte im Landtagswahlkampf nahezu keine Rolle. Hitzig wurde die Diskussion bei der Thematik der möglichen Einrichtung von zum Abitur führenden Oberstufen an Gemeinschaftsschulen, die in direkter Konkurrenz zu den seit 100 Jahren etablierten Beruflichen Gymnasien im Land stehen würden. „Keine Oberstufe an Gemeinschaftsschulen!“, hallte die Meinung der FDP durch den Saal. Silke Gericke (Grüne) bekräftigte, dass es nicht um eine Konkurrenz gehen soll und dass es sich nur um wenige Oberstufen handele. Zudem gäbe viele Schüler, die nach der Gemeinschaftsschule den Weg nicht ans Berufliche Gymnasium fänden. Dem wiedersprachen die Moderatoren entschieden: „Mit jeder neuen Klasse an einer Gemeinschaftsschule wird diese an den Beruflichen Gymnasien abgezogen.“ Während die CDU der Bildungslandschaft hier eine offene Baustelle attestierte und keine Stellung bezog, pflichtete die SPD den Grünen unterstützend zur neu auszurollenden Oberstufe an Gemeinschaftsschulen bei.
Nach den Schlussstatements der Parteien für die Zukunft der Beruflichen Schulen beendete Benjamin Starke mit einem Ausblick auf die Landtagswahl die Diskussion und bedankte sich bei den Gästen mit einem Augenzwinkern: „Tee, zur Beruhigung am Wahl-Sonntagabend je nach Parteiergebnissen!“. Als Ausklang des Forums wurde vom BLV zum Umtrunk und zur Möglichkeit des Austauschs geladen, ehe eine intensive und ergebnisreiche 6. Delegiertenversammlung zu Ende ging.
Fabian Pagel
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Veröffentlicht am 23. März 2026