Landespressekonferenz: Gewitterwolken am Horizont

Der BLV fordert dringend 1.000 neue Lehrerstellen, um die Qualität der beruflichen Bildung künftig gewährleisten zu können.

Sturmwarnung für die Beruflichen Schulen:

Es braucht größere Anstrengungen, um den Spitzenplatz zu halten!

Die Beruflichen Schulen des Landes erreichten wiederholt Spitzenplätze bei nationalen und internationalen Vergleichsstudien. Aber es ziehen dunkle Gewitterwolken auf, die zu einem Sturm anwachsen können, wenn es Kultusministerin Eisenmann nicht gelingt, in der Personalpolitik umzusteuern. „Mit ca. 1.000 Stellen konnte der dringendste Lehrerbedarf an den Beruflichen Schulen gedeckt werden, es sind aber deutlich mehr Anstrengungen in allen Bereichen nötig, wenn nicht die Qualität der beruflichen Bildung Schaden nehmen soll“, warnt der BLV-Vorsitzende Herbert Huber heute in Stuttgart. Guter Unterricht in Zeiten der Digitalisierung erfordert mehr Vor- und Nachbereitungszeit für die Lehrkräfte. Und es braucht hoch qualifiziertes Personal, das sich bei den heutigen Arbeitsbedingungen an den beruflichen Schulen nur schwer gewinnen lässt. Dringend benötigte Entlastungskonzepte kommen nur im Schneckentempo voran. Zukünftig muss es gelingen mehr Lehrerinnen und Lehrer in den Mangelfächern zu gewinnen, ansonsten droht auch an den Beruflichen Schulen ein Lehrermangel wie wir ihn im Moment an den Grundschulen erleben. Wenn Kultusministerin Eisenmann in ihrer Pressekonferenz am Donnerstag feststellt, dass im Bereich der beruflichen Schulen bislang „lediglich“ 70 Stellen unbesetzt bleiben, ist das nur die halbe Wahrheit. Häufig stellen Schulleitungen, die in Mangelfächern keine geeigneten Spezialisten finden, Lehrkräfte ein, deren Fächerkombination nicht so ganz passen, nur, damit die Stelle nicht verfällt.

Die Arbeitsbedingungen der Lehrerinnen und Lehrer müssen dringend verbessert werden. Ständige Mehrarbeit und Klassenzusammenlegungen im Krankheitsfall. Immer neue Zusatzaufgaben ohne Zeitausgleich. „Die Arbeitsbelastung ist zu hoch! Das muss weniger werden, ansonsten ist Sturmwarnung an den Schulen angesagt!“, sagte Herbert Huber.

Lehrerinnen und Lehrer brauchen Zeit für den Unterricht, vor allem für Vor- und Nachbereitung. Schon heute gibt es Schulen, die mit guten Konzepten arbeiten, etwa ihre Unterrichtseinheiten und Arbeitsblätter im Team erarbeiten wollen. So wird auch eine qualitativ hochwertige Vertretung im Krankheitsfall möglich. Für einen guten Unterricht fordert der BLV das Kultusministerium auf, die Arbeitsbelastung der Lehrkräfte in den Blick zu nehmen.

Eine Krankheitsvertretung existiert nur auf dem Papier. Die Beruflichen Schulen verzeichneten bei der Erhebung des Kultusministeriums im Februar 2019 mit 6,2 Prozent (Juni 2018: 6,0 Prozent) den höchsten Unterrichtsausfall. Dabei starten die Beruflichen Schulen zu Beginn eines Schuljahrs aufgrund des Lehrermangels schon mit einem ständigen Unterrichtsausfall von ca. 1,7 % des Pflichtunterrichts. Damit ergibt sich für die Erhebungswoche ein deutlich höherer Unterrichtsausfall von 7,9 %. Und dies alles bei einem Überstundenberg von insgesamt 1.850 Lehrerstellen, die seit Jahren nicht abgebaut werden können.

„Das Jammern der Politik es fehle der Lehrernachwuchs muss aufhören. Die Konzepte zur Lehrergewinnung müssen deutlich schneller umgesetzt werden“, fordert der Vorsitzende des Berufsschullehrerverbandes [Siehe Anlage]. Wir begrüßen ausdrücklich Konzepte wie den neuen Kontaktstudiengang Informatik, der jetzt mit 40 Lehrkräften startet. „Ideen sind da, bei der Umsetzung müssen die Verantwortlichen jetzt dringend in einen höheren Gang schalten“, so Herbert Huber. Gleiches gilt für das Thema Digitalisierung. Schnelles Internet, eine ausreichende Zahl an Fortbildungen und digitale Endgeräte für alle Lehrkräfte stehen schon seit langem auf unserem Forderungskatalog.

Mit Platz 2 beim INSM-Bildungsmonitor 2019 zeigten die Lehrerinnen und Lehrer an den Beruflichen Schulen zum wiederholten Male wie Qualität geht. Der BLV zieht als Fazit aus den nationalen und internationalen Vergleichsstudien, dass die Landespolitik der Beruflichen Bildung weiterhin Prioritäten einräumen muss. „Wir müssen die Beruflichen Schulen sturmsicher machen. Versäumnisse bei der Digitalisierung, fehlender Lehrernachwuchs und eine hohe Arbeitsbelastung gefährden die bisherigen Spitzenergebnisse“, warnt Herbert Huber.

BLV-Forderungen:

  • eine ausreichende Lehrerversorgung, so dass der Pflichtunterricht an allen Beruflichen Schulen erteilt werden kann
  • eine ausreichende schulbezogene Vertretungsreserve, so dass Krankheits- und Ausfallzeiten abgefangen werden können
  • mehr Unterrichtszeit zur Förderung leistungsschwächerer und leistungsstarker Schülerinnen und Schüler
  • eine Klassenlehrerstunde zur Beratung von Schülern und zur Verbesserung der Lehrer-Schüler-Beziehung
  • die flächendeckende Einführung eines zweiten Berufsschultages
  • eine konsequente Personalentwicklung, die eine erfolgreiche und langfristige Nachwuchsgewinnung ermöglicht
  • eigene, qualitätsvolle und in ausreichender Zahl angebotene Fortbildungsangebote für Berufliche Schulen
  • Erhalt der Berufsschulen (Teilzeitangebote) und des vollzeitschulischen Angebots im ländlichen Raum
  • eine ausreichende technische Ausstattung mit digitalen Endgeräten und der benötigten Netzinfrastruktur, z.B. Glasfaseranschluss
  • den Ausbau der Beruflichen Schulen als unabhängige, regionale Kompetenzzentren für Berufliche Bildung
  • Entlastung der Schulleitungen im Umfang von bis zu 15 Wochenstunden
  • Erhöhung der Nachlässe (allgemeines Entlastungskontingent) für die Lehrer*innen

Download der Pressemitteilung vom 09.09.2019 hier


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