Pressekonferenz von ADV und BLV

Die Arbeitsgemeinschaft der Direktorenvereinigungen an Beruflichen Schulen (ADV) und der Berufsschullehrerverband Baden-Württemberg (BLV) verdeutlichten ihre Forderungen an die zukünftige Landesregierung.

  • Gesundheitsschutz von Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern weiter im Blick behalten

  • Ergebnisse der BLV-Umfrage zum digitalen Fernunterricht: Licht und Schatten im Vergleich zur letzten Befragung

  • Überbelastung von Schulleitungen und Lehrkräften – dringendes Handeln erforderlich um Innovationen und Digitalisierung voranzubringen

  • Neue Wege wagen: Einführung von Innovationsstunden, Koordinatoren für digitale Bildung schaffen, Entlastung für die Systemadministration

  • Erfolgreiches G9-Angebot von beruflichen Gymnasien und Realschulen/Gemeinschaftsschulen stärken und ausbauen

  • Bedeutung und Wertschöpfung der Schulen zeigen sich in der Pandemie

  • Videobotschaft von David Jung (Vorsitzender Landesschülerbeirat)

     

    Video-Pressekonferenz von ADV und BLV am 8. März 2021

    Video-Pressekonferenz von ADV und BLV

 Stuttgart, den 8. März 2021 Leider steigen die Inzidenzzahlen und der Anteil von Mutationen weiter an. Nach wie vor gilt es den Gesundheitsschutz von Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern besonders im Blick zu behalten. Präsenzunterricht darf nicht zu einem unkalkulierbaren Risiko werden. AHA-L reicht da nicht mehr. Es bedarf sofort einer ausreichenden Anzahl an Schnelltests – unkompliziert vor Ort für regelmäßige Testungen unterstützt mit zusätzlichem geschultem Personal, Lieferung normgerechter FFP2-Masken, zeitnahe Impfangebote für alle Lehrkräfte sowie den Einsatz von Luftreinigungsgeräten wo erforderlich. Erst dann können Schulen stufenweise wieder zum Präsenzunterricht zurückkehren.

 

Fehlerhafte Masken sind noch immer nicht ersetzt

„Das Masken-Fiasko des Sozialministeriums darf sich auf keinen Fall wiederholen“, stellt der BLV-Vorsitzende Thomas Speck klar. Den Schulen wurden FFP2-Masken versprochen, geliefert wurden aber Masken des Typs KN95. Und diese waren auch noch fehlerhaft. Damit müssen eine Million Masken ersetzt werden. Auf Nachfrage des BLV hat das Kultusministerium Maskenlieferungen für Ende Februar in Aussicht gestellt, allerdings wurden bis heute keine neuen FFP2-Masken an die Schulen geliefert. “Beim Infektionsschutz muss die Landesregierung dringend ihre Hausaufgaben machen, bevor sie an weitere Schulöffnungen denkt “, fordert Thomas Speck.

 

Corona-Schnelltests dringend benötigt

„Auch der ADV betrachtet das Testangebot als einen zentralen Baustein für den Gesundheits- und Infektionsschutz an den Schulen“, sagt Dr. Roland Plehn, Vorsitzender der Direktorenvereinigung der Schulleitungen an beruflichen Schulen. Die freiwilligen Tests sollen fortgeführt werden, denn sie erhöhen die Sicherheit der Lehrkräfte und der Schülerschaft. Die ADV hofft daher, dass das Sozialministerium die angekündigten Schnelltests zügig an die Schulen versendet.

 

Schneller alle impfen

Bei aktuell steigenden Inzidenzwerten braucht es mehr Tempo beim Impfen und vor allem auch eine Impfmöglichkeit für Lehrkräfte ab 65 Jahren. „Das darf so nicht bleiben, gerade auch unsere erfahrenen Kolleginnen und Kollegen haben einen Impfschutz verdient“, fordert Thomas Speck. Laut einer neuen Studie des RKI spielen Lehrkräfte eine vielleicht wichtigere Rolle beim Infektionsgeschehen als Schülerinnen und Schüler. Bei einer Ausbreitung ansteckenderer Virusvarianten drohe ein größerer Beitrag zum Infektionsgeschehen. Um langfristig einen sicheren Schulbetrieb in Pandemiezeiten zu gewährleisten, bedarf es eines eindeutig Indikator gestützten Stufenplans. Auch längerfristig erhielten die Schulen damit eine klare Planungsgrundlage für den Präsenzunterricht.

 

Was sagen die Lehrkräfte?

Nach wie vor finden die meisten Unterrichtsstunden als digitaler Fernunterricht statt. Anlass genug für den BLV erneut bei den Lehrkräften nachzufragen, wie sie damit zurechtkommen. Der BLV hatte im April 2020 bereits eine Umfrage an allen beruflichen Schulen zum Thema Fernunterricht durchgeführt. Die Ergebnisse sind einerseits erschreckend andererseits werden aber auch erste Erfolge sichtbar:

  • Über 90 Prozent der befragten Lehrkräfte sprechen von einer gestiegenen Arbeitsbelastung. Fast zwei Drittel der Befragten (64,5 Prozent) gaben sogar an, dass sich ihr Arbeitsaufwand durch den Wechsel-/Fernunterricht deutlich erhöht hat. Das ist ein deutlicher Anstieg seit der Umfrage April 2020 (+15 Prozent).
  • 71,5 Prozent der Lehrkräfte geben an, über ein digitales dienstliches Endgerät zu verfügen (Frühjahrsumfrage: 43,5 Prozent).
  • Die meiste Unterstützung für den digitalen Unterricht (90 Prozent) erhalten die Lehrkräfte aus der eigenen Schule (Schulleitung, Systemadministratoren oder Kollegium). Das ZSL spielt mit gerade einmal 1,4 Prozent der Nennungen eine marginale Rolle.
  • Drei Viertel der Befragten gaben an, die Online-Angebote des ZSL zur Unterstützung des Wechsel-/ Fernunterrichts noch nie genutzt zu haben.
  • Die BLV-Umfrage zeigt: Moodle und Microsoft 365 sind die am häufigsten genutzten Lern- und Kommunikationsplattformen. Sie werden etwa zu gleichen Teilen an den Schulen eingesetzt.
  • Deutlich mehr Schülerinnen und Schüler werden im Fernunterricht erreicht als im ersten Lockdown des vergangenen Jahres. Nur noch knapp 6 Prozent der Schülerinnen und Schüler nehmen kaum bis gar nicht am Fernunterricht teil. Gegenüber der letzten Umfrage hat sich dieser Wert deutlich verbessert.

 Bei der Umfrage „April 2020“ befragte der BLV mehr als 3.000 Lehrerinnen und Lehrer an beruflichen Schulen in Baden-Württemberg. Die Ergebnisse dieser Umfrage finden Sie hier.

Bei der Umfrage „Februar 2021“ befragte der BLV mehr als 2.800 Lehrerinnen und Lehrer an beruflichen Schulen in Baden-Württemberg.

 

Mehr Investitionen in die berufliche Bildung nötig

Die Ergebnisse der aktuellen BLV-Umfrage decken überdeutlich auf, dass weitere Anstrengungen bei der Digitalisierung des Unterrichts und der Integration zukunftsweisender Innovationen in den Unterricht erfolgen müssen. Zum Nulltarif ist das nicht zu bekommen. „Die Berufliche Bildung im Land ist unterfinanziert, daher braucht es in der nächsten Legislaturperiode dringend mehr Investitionen. Alles andere gefährdet die Zukunftschancen der Schülerinnen und Schüler und den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg“, zieht Thomas Speck Schlüsse aus der Umfrage des BLV.

 

Erhebliche Mehrbelastung für Schulleitungen

Dies würde vor allem auch den Schulleitungen und ihren Teams helfen, die am Rande ihrer Belastbarkeit angekommen sind. „Schulleitungsteams ächzen unter erheblich gestiegenem Verwaltungsaufwand und vermissen dringend benötigte Entlastungen. Die Arbeitszeiten liegen weit jenseits dessen, was noch als gesund bezeichnet werden kann“, sagt Dr. Plehn. Außer den bisherigen Aufgaben gilt es, Kontaktlisten zu erstellen, ständig müssen Unterrichte und Abschlussprüfungen neu verteilt und geplant werden, die Koordination mit Ordnungs- und Gesundheitsämtern soll zeitnah erledigt werden, ständige Erreichbarkeit wird vorausgesetzt. Zudem rauben die sensible Führung des Kollegiums in dieser Zeit sowie das Filtern und Kommunizieren der unzähligen Verordnungen wertvolle Arbeitszeit. „Nehmen Sie endlich auch die Schulleitungen an den beruflichen Schulen in den Blick und stellen Sie zeitnah dringend benötigte Entlastungen bereit“, fordert der BLV-Vorsitzende Thomas Speck.

 

Berufliche Bildung sichert die Zukunft

Die berufliche Bildung stellt einen eigenen Wert dar, um den Baden-Württemberg seit Jahrzehnten beneidet wird. Die beruflichen Schulen bieten eine attraktive und international beachtete Auswahl an schulischen Abschlüssen an. Die Jugendarbeitslosigkeit in Baden-Württemberg ist äußerst gering. Dies wird auch den beruflichen Schulen zugeschrieben. Schulleitungen und Lehrkräfte haben es verdient, dass die berufliche Bildung stärker in den Blick der Politik rückt. Für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes spielen besonders auch die beruflichen Gymnasien eine entscheidende Rolle. Bildungsgerechtigkeit wird hier erfolgreich gelebt: Die meisten ausländischen Jugendlichen erwerben ihr Abitur an den beruflichen Gymnasien. Viele Schüler brauchen nach der Pubertät einen Neustart, den ein allgemeines Gymnasium nicht bieten kann.

„Die beruflichen Gymnasien sind ein Erfolgsmodell. Zusammen mit Realschulen und Gemeinschaftsschulen bieten sie ein flächendeckendes G9-Angebot. In der kommenden Legislaturperiode gilt es dieses G9-Angebot zu sichern und auszuweiten“, fordert Thomas Speck abschließend.

Dazu eine Videobotschaft von David Jung, Vorsitzender des Landesschülerbeirats: Die beruflichen Schulen in Baden-Württemberg öffnen vielen Jugendlichen Chancen und Möglichkeiten, ihre Bildung zielgerichtet zu spezifizieren und zu verbessern.#

 

Forderungen von ADV und BLV an die nächste Landesregierung:

  • 250 zusätzliche Stellen zum Abbau des Unterrichtsdefizits (aktuell – 1,7 Prozent)
  • Innovationsstunden im Umfang von 140 zusätzlichen Lehrerstellen
  • Erhöhung der Leitungszeit (Schulleitungsentlastung)
  • Installation einer zweiten Stellvertretung in der Schulleitung für große Berufliche Schulen (ab 1.250 Schülerinnen und Schüler)
  • Senkung der Unterrichtsverpflichtung für Abteilungsleiter bzw. Ausbau der Abteilungsleiterstellen
  • Koordinatoren für Innovation und Digitalisierung (140 zusätzliche Stellen)
  • Sofortige Rücknahme der Kürzungen des allgemeinen Entlastungskontingents aus dem Schuljahr 2013/14
  • Erfolgreiches G9-Angebot von beruflichen Gymnasien und Realschulen/Gemeinschaftsschulen stärken und ausbauen
  • Aufbau von zusätzlichen personellen Unterstützungssystemen:
    • Schulverwaltungsassistenz ohne Gegenfinanzierung
    • IT-Support an den Schulen durch IT-Administratoren ohne Kürzung der Anrechnungsstunden für Systembetreuung (Lehrkräfte)
    • Streichen der Unterrichtsverpflichtung von Schulleitungen ohne Gegenfinanzierung aus dem Stundenpool
  • Einrichtung einer Landesakademie für berufliche Bildung als Innovationsquelle für Unterricht und Schule

 

Hier finden Sie die Pressemitteilung zur Pressekonferenz von BLV und ADV am 8. März 2021.

 


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